Die Brüder Ernst (1825-1893) und Johann Reimann (1828-1910) errichteten um 1850 gemeinsam ein neues Wohnhaus auf ihrem Erbteil der Flurstelle Zickori in Schmolsiner Klucken, welches ihnen ihr Vater Johann Reimann (1792-1836) hinterließ. Bis 1957 wohnten ihre Nachkommen in diesem Haus: zuletzt deren beider Enkel Otto "Ernst´n Otto" Reimann (1894-1979) mit Ehefrau Marta Klück (1896-1989) und den Kindern Frieda (1915-2001), Siegmund (1923-1995) und Waldemar (1932) bzw. Erich "Johann´ken Erich" Reimann (1909-1944), Otto "Johann`ken Otto" Reimann (1902-1945) und Emma "Johann´ken Emma" Reimann (1898-1964) mit Tocher Annemarie (1922-2003). In einer später erfolgten Hausverlängerung befand sich der Hausstand von Herta "Johann`ken Herta" Reimann (1894-1974), verehelicht mit Otto "Kaczmarek" Ruch aus Zemminer Klucken (1884-1973). Letzterer betrieb in einer Kammer seine Schusterwerkstatt. Mit der Gründung des „Slowinzen-Museum" 1963 wurde das leer stehende Haus der Reimanns Grundstock des Freilichtmuseums. "Ernst´n Otto", bis zu seiner Ausreise 1957 Lektor der Kluckener Gemeinde, dazu: "Mein Haus, wo meine deutschen Vorfahren gelebt haben und verstorben sind, das man jetzt zum polnischen Museum gemacht hat, ist und bleibt deutsch."
20 Objekte stehen zum Besuch bereit...
Im Museumsdorf der Slowinzen in Kluki werden Zeugnisse der Wohn- und Arbeitswelt der Menschen am Südufer des Lebasee bewahrt, wie sie dort vom späten 18. Jahrhundert bis um 1945 in Gebrauch waren. Den Kern des zehn Hektar großen Museumsdorfes bilden drei Bauernhöfe. Andere Hütten wurden nach Kluki versetzt, um auf diese Weise das Bild des alten Klucken wenigstens teilweise wiederherzustellen. Etwa 20 Objekte sind zu besichtigen.
Der Eintritt und die Kasse zum Museum befinden sich im mittlerweile restaurierten Haus der Familie Reimann. Die drei Wohnungen beherbergen eine Ausstellung zu Klucken und den dort einst lebenden Slowinzen, sprich Lebakaschuben. Aus der Erbauungszeit des Wohnhauses haben sich auch die beiden, das Haus flankierenden Wirtschaftsgebäude erhalten, welche nunmehr zur Präsentation alten Handwerks - vor allem des Spinnens und des Webens - dienen. Hinter dem Wohnhaus steht ein Ziehbrunnen, wie er in Klucken bis weit nach 1945 in Gebrauch war.
Dieses Zweifamilienhaus wurde ebenfalls wie das der Reimanns um 1850 errichtet. Es befindet sich noch heute an seinem originalen Standort - direkt eben dem Gehöft der Reimanns. Die letzten Eigentümer waren der dort auch verstorbene Landwirt Albert "Pätzen Albert" Klück (1877-1956) mit Frau Adeline Ruch (1870-1945) nebst Kindern sowie der 1957/58 nach Deutschland ausgereiste Landwirt Heinrich Jost (1888-nach 1958) und dessen Geschwister Johann und Johanna. Hinter dem Haus befinden sich ein Backofen und ein Kartoffelkeller sowie ein Fischlager mit Booten und viel Zubehör aus den Zeiten der Fischerei auf dem Lebasee. In den Wirtschaftsgebäuden des Wohnhauses wird die Kunst des Seilers und des Töpfers vorgestellt.
In den alten Kluckener Rauchhäusern wurde einst mit getrocknetem Torf über dem offenen Feuer gekocht. Der Rauch zog ungehindert über das offene Dachgebälk und das Schilf nach draußen. Erst späterhin wurden Rauchzüge eingebaut. Anschaulich zu sehen ist dies im Haus von Jost und Klück.
Schon eine bedeutsame Errungenschaft: Der Ofen - von der Küche aus zu befeuern und mit einer Ofenbank versehen, heizt dann auch gleich die Schlafkammer dahinter mit.
Spartanisch die Einrichtung der Wohnungen in Klucken, wie es über das 19. Jahrhundert hinaus bis nach 1900 üblich war...
Eng ging es in den Kluckener Häusern zu: In der Regel bestand ein Haus bzw. eine Haushälfte aus zwei Stuben und einer Küche, höchstens dazu noch einer Kammer. Doch die Familien hatten zumeist 8-10 Kinder. Und wenn dann die Großeltern - Altsitzer genannt - auch noch mit im Haus wohnten, war Freiraum Mangelware.
Einst stand dieses Wohnhaus auf der Flurstelle Dambowi in Schmolsiner Klucken und gehörte Charlotte Klick. Der älteste Teil des Fachwerkbaus stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude zum Zwei-Familienhaus erweitert. Heute ist hier zu erleben, wie einst per Hand die Butter hergestellt wurde.
Aus Sorchow nach Klucken/Kluki eingeführt wurde für das Freilichtmusem dieses Wohnhaus. 1841 ist es für zwei Familien errichtet worden und gehörte zuletzt der Familie Klotz. Jährlich wechselnde Kunstausstellungen sind hier zu besuchen.
Mit der Saisoneröffnung am 1. Mai jeden Jahres wird auch die Kunstausstellung im Museum eröffnet. In den folgenden beiden Monaten werden das Leben und das Werk von jährlich wechselnden Künstlern vorgestellt, die im alten Landkreis Stolp tätig waren.
Aus Selesener Klucken stammt dieses, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute Zweifamilienhaus, welches wie auch das folgende Haus aufs Neue in Schmolsiner Klucken errichtet wurde. Aus dem 19. Jahrhundert stammt auch das Wirtschaftsbeäude. Die Scheune ist "moderner", wurde in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut. Die letzten Bewohner waren der 1957 nach Deutschland ausgereiste Landwirt Wilhem "Poschen Wilhelm" Ruch (1880-1958/59) mit Ehefrau Johanna Czirr (1893-um 1965) und Kindern sowie Heinrich Kaitschick (1877-1959) mit Ehefrau Bertha Klück (1875-1944). Den in seiner Heimat verstorbenen Landwirt Kaitschick lernte 1945 Prof. Ludwig Zabrocki kennen und notierte, daß Heinrich Kaitschick noch einige Worte in Kaschubisch reden kann.
Bis zu ihrer Ausreise 1970 nach Deutschland wohnten der Landwirt Albert "Hautes" Klück (1892-1976) und Ehefrau Martha Klick (1898-1972) in diesem Haus. Eigentlich stand es in Poblotz, wo es Albert Klück erwarb, abbauen und 1923 in Selesener Klucken neu aufbauen ließ. Die Wirtschaftsbebäude stammen von 1932 und 1936.
Kein Vergleich zum Rauchhaus von Jost und Klück: Bei "Hautes" hat die Moderne Einzug gehalten, wie ein Blick in die Küche zeigt.
Der selbe Eindruck auch beim Blick in die "gute Stube": Der Bewohner hat als Landwirt in Selesener Klucken sichtlich gute Ernten eingefahren. 1941 gibt er an, sieben Hektar Land zu besitzen und weitere 1,5 Hektar zugepachtet zu haben. Für Kluckener Verhältnisse gehört er damit zu den größten Landeigentümern.
Mit vier Kindern wohnte das Ehepaar Klück in ihrem neuen Haus in Selesener Klucken. Für diese Familie war sichtlich mehr Platz vorhanden als in den engen Rauchhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts.
Aus dem späten 19. Jahrhundert stammt dieses Wohnhaus. Original erhalten und am ursprünglichen Standort stehend, gehört es seit Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts zum Bestand des Museums. Die Wirtschaftsgebäude wurden zumeist in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts errichtet. Die letzten Bewohner waren Anna Kötsch (1898-1980), die als geb. Klick in diesem Haus das Licht der Welt erblickte, und ihr Sohn Hermann Kötsch (1933-1987).
Die obige Aufnahme des Wohnhauses der Anna Kötsch stammt von 2003, die nebenstehende von 2007. Mit EU-Förderung wurde der Bau in der Zwischenzeit saniert. Er dient nunmehr der museums- pädagogischen Arbeit.
Eine Fischerhütte, wie sie dereinst aller Orten auf der Lebanehrung - z. B. in Bollenz - zu finden waren, ist im Museum aufgebaut worden. Hier nächtigten die Fischer, wenn sie tagelang von daheim fort waren und auf Lebasee, Garder See und auch Ostsee fischten.
Blick ins Innere der Fischerhütte.
Altes Dorfleben neu belebt...
Das Museum veranstaltet zudem zeitlich begrenzte Ausstellungen, die vorwiegend Volkskunst und Handwerk vorstellen und Folkloreveranstaltungen, welche an die Tradition und Kultur der Slowinzen anknüpfen sollen, aber auch solche, die die Folklore der Pommern und die Heimat der sich hier nach dem Krieg Angesiedelten zeigen. So ist zu erleben, wie in Klucken einst Torf für Heizzwecke gewonnen wurde. Der Besucher kann den Männern bei der nicht gerade leichten Arbeit zusehen, aber auch sich selbst im Torfstechen probieren. Er erfährt, wie nach dem Abheben des Rasens mit der Hacke die Torffläche per langstieligem Messer in schwarzbraune Würfel geschnitten wird... Der Museumsbesucher kann bei der Hausarbeit herumhantierende Frauen beobachten: Die einen waschen und mangeln, andere backen Brot und machen Butter. Die Männer arbeiten inzwischen im Hof, reparieren Fischernetze, flechten Körbe, drehen die im Haushalt nötigen Seile, formen Töpfe, reparieren Schilfdächer...
Trachtentreiben alljährlich zur "Schwarzen Hochzeit" vom 1. bis 3. Mai. Weitere Bild-Impressionen davon s. Neues aus Klucken
Torfstechen - vorgeführt zur "Schwarzen Hochzeit".
Backen auf dem mit Torf befeuerten Küchenherd - so zum "Kinderfest" am 1. Juni, an den Sonntagen im Juli und August zu den "Tagen des Brotes und der Musik" oder am dritten Septembersonntag zum "Abschied vom Sommer" im Museum.
Waschen noch ohne Waschautomat...
Mit dieser Mangel wurde die Wäsche gebügelt
Die geschorene, gewaschene, gekämmte und versponnene Schafwolle wurde dereinst auch selbst zu Stoffen verwoben.
Die "Reeperbahn" von Klucken: Auf ihr wurden Seile gedreht
Klumpki - Holzschuhe - erhielten einst die Pferde, um nicht im moorigen Boden einzusinken. Sie werden noch heute im Museum gefertigt, als Souvenir.
Ausdauer und Kraft ist vonnöten, um aus einem Stamm die gewünschten Bohlen und Bretter per Hand zu sägen. Wer da einmal mitmachen möchte, dem sind die Wochen um die Wende von Juli zu August empfohlen. Dann finden im Museum die "Tage des Handwerks und der Technik" statt.
Anschrift des Museums in Klucken: Muzeum Wsi Słowińskiej w Klukach (Slowinzisches Dorfmuseum in Klucken) Kluki 27 76-214 Smołdzino Polska Tel./Fax (Durchwahl von Deutschland aus): 0048 59 8463020 Internet: http://www.muzeumkluki.pl E-Mail: muzeum@muzeumkluki.pl
Das Museum von Klucken ist eine Zweigstelle des: Muzeum Pomorza Środkowego (Mittelpommersches Museum) 76-200 Słupsk ul. Dominikańska 5-9 Polska Tel.: 0048 059 8424081, Fax: 0048 059 8426518 Internet: www.muzeum.slupsk.pl E-Mail: muzeum@muzeum.slupsk.pl
Das Dorfmuseum ist ganzjährig geöffnet: vom 15. Mai bis 15. September: 9 bis 18 Uhr montags (nur ein Gehöft zugänglich): 9 bis 15 Uhr vom 16. September bis 14. Mai: 9 bis 15 Uhr am 1. Januar; 1. November; 25. Dezember und am Ostersonntag - geschlossen