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Aufgeschriebene Lebenserinnerungen: "Leben pur – So war es!"

Es ist der 13. August 1933, als die kleine Ingrid Garbe im pommerschen Stolp das Licht der Welt erblickt. Wohlbehütet und glücklich verläuft ihre frühe Kindheit, doch als Ingrid in die Schule kommt, macht sie erste, manchmal schmerzliche Erfahrungen mit der herrschenden Ideologie. Menschen aus ihrer Heimatstadt sind plötzlich nicht mehr da oder tragen einen gelben Stern. Als der Einmarsch der Roten Armee und mit ihm der Zusammenbruch des Deutschen Reiches naht, entscheidet sich ihr Vater gegen die Flucht und führt seine Familie damit in einen harten Überlebenskampf. Im Oktober 1945 schließlich wird die Familie zwangsumgesiedelt. Aus ihrer eigenen kindlichen Sicht schildert Ingrid Bodschwinna lebensnah ihre Erlebnisse, gibt aber auch oftmals skurrile Anekdoten wieder, die ihr aus den Erzählungen der Menschen aus ihrem damaligen Umfeld im Gedächtnis geblieben sind.

Auch über Klucken schreibt die Frau. Denn Großmuter Bertha Klück stammte aus Selesener Klucken, war eine Schwester von Karl Kirk I, alias "Kolley". Ihre Erinnerungen an die Besuche in Klucken in den späten 1930er Jahren bis zuletzt im Sommer 1944 sind ein lesenswertes Dokument der Kultur- und Sozialgeschichte. U. a. ist von "Tante Jach" in Zemminer Klucken zu hören, von der "Muhme" alias "Herr Adeline" auf dem Hof von Wilhelm Kirk III alias "Gustav´n Wilhelm", vom dort lebenden einstigen Seemann Heinrich Kirk,...

Ingrid Bodschwinna: Leben pur – So war es!
Buchwerkstatt Berlin, 2010, Paperback, 288 Seiten, ISBN 978-3-940281-17-3.

Mit dem "Kaschuben-Expreß" 2008 auf Tour...










Ein Zufalls-Treff im Mai 2008: Ein Hamburger Kleinbus mit der Aufschrift "Kaschuben-Expreß" voller "Gard`scher Jungens" (gesprochen: Chotscher Jungs) - Reinfried Bäther alias "der Sohn vom Chef"; Paul-Gerhard Buttke alias "der Sohn von Luschken-Hanne und Scheiken-Paul"; Gottfried Sawallisch alias "Owitsch"; Dr. Wilhelm Stephani aus den Masuren; Günter Griechen alias "Wolschken" und Paul Ness alias "Nier´s Nessen" (v. l. n. r.).
Gemeinsam ging es für zwei Tage nach Klucken, über die Scholpiner Düne und rauf auf den Scholpiner Leuchtturm - und nicht zuletzt nach Groß Garde: in die Heimat der "Gard´schen Jungens", die seit einem Jahrzehnt mit ihrem "Kaschuben-Expreß" zwei Mal im Jahr ihrer Heimweh nachgeben... Danke für die Mitnahme im "Kaschuben-Expreß" und Dank für die vielen Erzählungen.

Unvergessen für den Autor der Gesang der "Garder Jungs" - nach der Melodie eines kaschubischen Liedes gesungen, von Gottfried Sawallisch ins "Goardsche Platt" getextet...

Wat weer dat scheen in oose Goard – dor läävt dei Lied op ähre Oart.
Die Mann, hei foahrt chanz frieh up See, dei Fru beheil dat Pottmanee.
Die Preister prädicht, wat hei wull, dei Orjel spält, die Kirch wer full.

Refrain:
Widewidewitt dei Goardsche Junges – widewidewitt dei Goardsche Mäkes,
widewidewitt dei kunne singe – widewidewitt die kunne danza,
widewidewitt dei kunne fire – widewidewitt ook Beier drinke,
widewidewitt bie Schammlers Mieze – oder Mäller-Pigorsche...

Jo dei Goardsche, o Stohentinsche - dei Schmolsinsche-Virchenzinsche
wohnde alle an de Lupow - o am hooche Revekol.
Jo, dor läävte sei, jo dor arbeit`sei, foahrt ok mol tum Strand,
boade in de scheene Ostsee

Widewidewitt...

Bi Kolletschka - bi Kolletschka - dor wull ik fria,
ik hedd kein Jeld op disse Wilt - mießt mi wat liehe.
Dat heert mien Bruut, sei krej dei Wut,
erscht schimpft sei me ut, donn schmeet sei mit rut!!!

Widewidewitt...

















Gottfried Sawallisch (+ 2010) singt von "Pommern - meine Heimat":
"... und sag ich leis Dir dann auf Wiedersehen.
Ich komme bald zurück - Du warst so schön.
Ich habe Sehnsucht nach Dir, teure Heimat am Strand.
Denn Du bist ja mein Pommern, mein Heimatland.
Oh, schönes Pommern - nur Du ganz allein:
Du sollst mein Heimatland sein."


Sehbare "Seen-Blicke"


Blick von Klucken aus auf den Lebasee mit der Lonzker Düne

Blick aus Richtung Rowe über den Garder See auf den Revekol


Ausflug in die "Sahara der Ostsee"

Rein oder besser rauf geht es: auf und über die Scholpiner Düne.

Ständig rauf und runter - und immer noch keine Ostsee in Sicht...

Ein Blick zurück - gut drei Kilometer Sandlatschen sind geschafft...

... doch das Ziel grüßt noch aus weiter Ferne: der Leuchtturm von Scholpin.

Geschafft: kein Sand mehr, sondern Kiefernwald und mittendrin der Scholpiner Leuchtturm.

Der Blick vom Leuchtturm belegt: Die Scholpiner Düne wandert mitten durch den Wald.



Eine echte Fata Morgana...

... der Kleine Dolgensee inmitten der Dünen.


Rauf auf den heiligen Berg der Kaschuben - den Revekol!




























Auf 115 Meter Höhe steht der Aussichtsturm...












Bei leider diesiger Sicht Blick auf Schmolsin
















Blick auf die Pustinkeberge











Blick auf das Tal der Lupow








Blick zum Garder See


2007: Kirche von Schmolsin wurde vor 375 Jahren geweiht

Die Kirche in Schmolsin - die Gemeinde Klucken gehörte zu deren Pfarrbezirk - wurde im Jahr 2007 genau 375 Jahre alt: Am 28. Oktober 1632 wurde der damalige Neubau geweiht.

1608 erhielten die pommersche Herzogingatte Erdmute bzw. ihre Schwägerin, die verwitwete Anna v. Croy, das Amt Schmolsin übertragen. Anna v. Croy, Schwester des letzten pommerschen Herzogs, und ihr Sohn Ernst Bogislaw v. Croy ließen in Schmolsin eine Kapelle des 16. Jahrhunderts abreißen und dafür die Kirche errichten. Denn 1630/31 war Schmolsin aus dem Pfarrbezirk Groß Garde ausgegliedert und zum eigenständigen Pfarrbezirk ernannt worden. Das bis dahin recht ausgedehnte Kirchspiel Groß Garde hatte, wie bei Zeitzeugen nachzulesen ist, einen Nachteil: Es gibt „Leute, die in 4 oder 5 Jahren in keine Kirche kommen, noch in solcher Zeit einen Prediger gesehen haben.“

Ursprünglich war die Schmolsiner Kirche ein Hallenbau. Der Dreißigjährige Krieg und dessen Folgen verhinderte den geplanten Turm. Dieser sowie die beiden Seitenschiffe wurden erst im 19. Jahrhundert bzw. im Zuge einer umfassenden Restaurierung zur 300-Jahr-Feier der Kirche 1932 errichtet. Somit erscheint der Sakralbau nunmehr als Putzbau in Form eines Kreuzes mit einem Turm über dem Eingang im Westen.

Erster Pastor von Schmolsin war Michael Pontanus, der bis 1654 in Schmolsin wirkte und Teile des Kathechismus bzw. kirchliche Texte für die mehrheitlich kaschubische Bevölkerung rund um Schmolsin in deren Sprache übersetzte. Denn am Sonntag gab es immer zwei Predigten nacheinander: eine für die deutsprachige und eine für die im 17. Jahrhundert zumeist kaschubischsprachige Bevölkerung.

Der 1643 vom Pastor Pontanus in Kaschubische übersetzte Luther´sche Kathechismus wurde in einer Überarbeitung wohl seines Nachfolgers Pastor Engeland 1758 neu aufgelegt. Zu weiteren Übersetzungen kam es nicht mehr. Denn das Kaschubische wich immer mehr dem Deutschen. So fand der letzte Konfirmandenunterricht in kaschubischer Sprache 1790 in Schmolsin statt.

Nach 1800 amtierte Pastor Friderici. "Er kämpft gegen Musik und Tanz, predigt lang, kumpaniert aber mit den Bauern bei Tabak und Bier", ist über ihn zu erfahren.

1830 kam es wegen der Erhebung von Schulgebühren gegenüber Pastor Kybke zum Aufstand der Kaschuben. Der Pastor wurde abgesetzt, die Anführer der Rebellion erhielten Gefängnis- und Geldstrafen. „Das Haupt der Anführer ertrinkt besoffen in der Lupow", ist zu lesen.

Pastor Heinrich Ferdinand Edelbüttel trat 1832 sein Amt in Schmolsin an und blieb dort bis 1865: Er „setzt sich gegen Aber- und Teufelsglauben und Aufsässigkeit durch.“ 1835 fand in der Schmolsiner Kirche letztmalig ein Gottesdienst in der kaschubischen Sprache statt.

1837 gelangten auch die Selesener Klucken aus dem von Groß Garde in das Schmolsiner Kirchspiel.

Bis 1945 diente die Kirche von Schmolsin der evangelischen Gemeinde als ihr Gotteshaus. 1945 änderte sich dieses - die katholischen Polen übernahmen das Haus. In den letzten Jahren fanden umfangreiche Rekonstruktions- und Restaurierungsarbeiten im Inneren und Äußeren des Sakralbaus statt.

Und hier finden sie eine Übersicht über die Schmolsiner Pastoren.

Aus dem Jahr 1632 bzw. aus dem 17. Jahrhundert hat ein bedeutender Teil der barocken Ausstattung der Kirche bis heute überdauert.
Dazu gehört der prunkvolle Altar: Über einem Sockel mit der Darstellung des Abendmahls erhebt sich ein viersäuliger Aufbau mit reich verzierten Seitenstücken. In diesen finden sich Porträts der Kirchenstifterin und ihres Sohnes, der letzten (pommerschen) Besitzer des Amtes Schmolsin, bevor dieses an die Herrscher Brandenburgs überging.

Erhalten und so wie der Altar in den letzten Jahren wieder restauriert, ist die barocke Kanzel, welche auf einer Figur des Moses mit den göttlichen Gesetzestafeln ruht.



Ursprünglich waren in die flache Decke des Kirchenbaus 150 Bilder mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament eingelassen - ein Bilderbuch des Glaubens für die damals zumeist kaschubische Bevölkerung, die des Lesens und Schreibens unkundig war. Leider sind im Zuge von Bauarbeiten an und in der Kirche im 19. Jahrhundert die meisten der Bilder verloren gegangen. Bis 1945 waren nur noch 49 Gemälde erhalten, die nunmehr restauriert werden und zum Teil bereits wieder zurück in die Schmolsinder Kirche gelangt sind.


"Verrat an Jesus"

"Der angeklagte Jesus"

"Grablegung Jesu"


Ob zum "Damals" oder "Jetzt", zum "Gestern" oder "Heute" - ich freue mich auf Ihre Meinungen, Anregungen, Fragen, Hinweise,...:

                                            Gerald Gräfe
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